Kielet

Jekaterinburg 2020

Vorbereitende Überlegungen zum Thema der

11. Konferenz «Die Seele Europas»
9.-12. Juli 2020 in Jekaterinburg

Zwei Tagungsreihen kommen mit dem Treffen in Jekaterinburg zusammen. Einerseits wird es die 11. Tagung «Die Seele Europas» sein, die in Amsterdam begann und dann weitgehend in Ost- und Ostmitteleuropa stattfand, zuletzt in Kiev und Tbilissi. 2019 kehrte sie mit der Tagung mitten im Zentrum der Institutionen der Europäischen Union in Brüssel zurück nach Westen. Der Pendelschlag geht nun wieder nach Osten ans äusserste Ende Europas nach Jekaterinburg, anschliessend voraussichtlich nach Westen, nach London.

Die andere Tagungsreihe fand, von der örtlichen Gruppe der Anthroposophischen Gesellschaft in Russland organisiert, seit 2013 jährlich in der Gegend von Jekaterinburg statt. Es wurde versucht, sich mit dem Thema «Grenzen» im weitesten Sinne zu befassen, ein Thema, das für Menschen an der Grenze zwischen Europa und Asien eine grosse Bedeutung hat. Ausgangspunkt für diese Tagungen in kleinerem Rahmen war der Vortrag von Rudolf Steiner vom 15. Juli 1923 (GA 225) «Die Imagination Europas», in dem von einer feinen astralischen Trennwand entlang Ural-untere Wolga-Kaukasus-Mittelmeer die Rede ist, die wie eine Tapetenwand dekadente Strömungen, die von Sibirien und Mittelasien ausgingen, von Europa abgeschirmt hat, damit sich in Europa besondere Kräfte der Bewusstseinsentwicklung im Denken ungestört entfalten können. Mit der Auflösung dieser Tapetenwand sind aber üble ahrimanisierte Wesen nach Westen geströmt und haben sich da mit üblen luziferisierten Wesen, die vom Westen nach Osten strömten, in einer «brünstigen Ehe» verbunden. Das hat sich zum Beispiel im Bolschewismus ausgelebt.

Gespräche in kleinen Kreisen in Jekaterinburg und während der Tagung «Seele Europas» in Brüssel haben zu folgenden vorläufigen Überlegungen zum Thema der nächsten Tagung geführt. Eine Tagungstitel ist noch nicht formuliert.

Wir wollen das Thema der Grenzen für die kommende Tagung «Die Seele Europas» aufgreifen. Einerseits geht es um geografische Grenzen Europas, zu denen die geschilderte Grenze nach Osten, aber auch jene nach Westen gehört, die durch die Wirkung irischer Mönche den Einfluss Amerikas auf Europa abschirmte; auch von der katholischen Kirche gingen starke Kräfte aus, die Erinnerung an die in Kreisen der Wikinger vorhandenen Kenntnisse Amerikas auszulöschen. Innerhalb dieser Grenzen konnte sich im Mittelalter ein Denken und ein Ich-Bewusstsein entwickeln, das in der Scholastik besonderen Ausdruck fand. Beide Grenzen haben sich mit dem Einfall der Mongolen nach Russland und der Neuentdeckung Amerikas aufzulösen begonnen. Bolschewismus, Putinismus, Nationalismus einerseits, weltweiter Amerikanismus, Globalisierung, moderne Kommunikation andererseits überfluten seither Europa.

Es gibt aber auch Grenzen innerhalb Europas, die tief mit der Geistesgeschichte des europäischen Raumes zusammenhängen. Die Trennung in orthodoxe Ostkirche und römisch-katholische Westkirche, die ungefähr mit der jetzigen Ostgrenze der europäischen Union zusammenfällt, ist eines. Aus der Aufteilung des Reiches von Karl dem Grossen in das West-, das Mittel- und das Ostreich ergeben sich weitere Gliederungen.

Dazu kommen vielfältige Grenzen, die im Inneren der Seele des Menschen auftreten und keinen Zusammenhang mit äusseren Grenzen haben. Was heisst «Europa», die Idee Europas, die Qualitäten Europas unabhängig von den geografischen Grenzen Europas? Wo liegt die Verantwortung Europas für die weltweiten Folgen der in Europa entstandenen Weltanschauungen? Wie sind Grenzen und Verbindungen zwischen Menschen? im Sozialen? Wo ist es berechtigt, Grenzen zu setzen, wo geht des darum, Grenzen zu überwinden?

Soweit die bisherigen Überlegungen zum Thema der kommenden Tagung. Herzlich willkommen im Juli 2020 in Jekaterinburg!

Lahti, 2. September 2019
Hans Hasler